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Denkmalpflege weiterdenken: Zukunft gestalten

Wachsendes Bewusstsein für den Wert der gebauten Umwelt führt die Denkmalpflege hin zu einer Schlüsselrolle für den nachhaltigen Umgang mit dem Bestand. Die Weiterbildungsprogramme des Instituts für Denkmalpflege und historische Bauforschung der ETH Zürich gestalten diesen Wandel mit und verbinden Praxis mit Forschung.

 

Der MAS in Denkmalpflege und Konstruktionsgeschichte der ETH vermittelt Methoden und Kompetenzen von der Bauaufnahme über denkmaltheoretische Grundlagen bis zu nachhaltigen Instandhaltungsstrategien. Detail der Semperaula im Hauptgebäude der ETH Zürich. © Ralph Feiner

Aufgrund ihrer theoretischen Fundierung und ihrer institutionellen Rolle spielt die Denkmalpflege eine unersetzliche Rolle bei der Erhaltung unseres gebauten Erbes. Entscheidungsprozesse in der Praxis erfordern hochqualifizierte Fachkräfte mit Urteilsfähigkeit: Jeder Eingriff in die historische Bausubstanz setzt ein umfassendes Verständnis des Objekts sowie Kenntnisse denkmaltheoretischer Grundlagen voraus. Zugleich betreffen ihre Methoden längst nicht mehr nur wenige, besonders wertvolle Objekte, sondern einen deutlich grösseren Teil des Baubestands – auch jüngere und jüngste Bauwerke. Da aktuell die Bautätigkeit zunehmend im Bestand stattfindet, wächst der Bedarf an nachhaltigen Strategien für Bestandsbauten. Vor diesem Hintergrund vermittelt der berufsbegleitende MAS in Denkmalpflege und Konstruktionsgeschichte der ETH Zürich nicht nur Theorien, Methoden und rechtliche Grundlagen, sondern auch disziplinübergreifende Fähigkeiten, um aktuelle und künftige Herausforderungen beim verantwortungsvollen Umgang mit unserer gebauten Umwelt zu bewältigen.

 

In der Theorie fundiert und wirksam in der Praxis

Zentrale Texte der Denkmalpflege, von Riegl bis Dehio, vom Wandel des Denkmalbegriffs bis zu internationalen Chartas, bilden im MAS eine tragfähige Basis zum Verständnis zentraler Konzepte und zur Entwicklung weiterer Fachkompetenzen. Ergänzend werden auch die Auswirkungen ökonomischer und gesellschaftlicher Veränderungen sowie Fragen der Digitalisierung und Erinnerungskultur im Zusammenhang mit der Denkmalpflege diskutiert. Darüber hinaus wird das Verständnis historischer Bauprozesse und Tragwerksstrukturen durch die Vermittlung vertiefter Inhalte der Konstruktionsgeschichte gefördert. In praxisorientierten Modulen wie der Bauaufnahme lernen die Teilnehmenden Methoden der historischen Bauforschung sowie die Analyse konstruktiver Details. Seminare zum wissenschaftlichen Arbeiten und zur archivbasierten Forschung befähigen dazu, kulturwissenschaftliche und denkmalpflegerische Methoden bei der Begutachtung von Objekten anzuwenden. Zudem wird auch die Fähigkeit gefördert, Bauwerke eigenständig und quellenbasiert zu würdigen. Seminare mit Schwerpunkt auf Denkmalrecht vermitteln juristische Instrumente und Verfahren zur Unterschutzstellung und schärfen die Unterscheidung zwischen wissenschaftlichem und rechtlichem Denkmalbegriff. Das Alleinstellungsmerkmal des MAS der ETH Zürich besteht in der Verbindung klassischer Inhalte mit Ansätzen fortschrittlicher, digitaler Technologien sowie nachhaltiger Strategien für den Baubestand.

 

Bestand nachhaltig denken

Einer der wichtigsten Handlungsbereiche, in dem Methoden der Denkmalpflege grosses Potenzial entfalten können, ist die nachhaltige Entwicklung des nicht geschützten Bestands. Gerade bei jüngeren Bauten sind Transfer und Anwendung von Konzepten wie Reparatur, Instandhaltung und langfristiger Erhalt von Bauteilen zentral. Voraussetzung ist ein Verständnis der baukonstruktiven Herausforderungen sowie der unterschiedlichen Werte, die mit Instandhaltung und Weiterentwicklung verbunden sind – aus materieller und baulicher, aber auch aus ökologischer und ökonomischer Perspektive. Das Programm bietet Einblicke in Immobilienbewertung und Immobilienwirtschaft durch Fallstudien aus der Praxis; in Übungen wird der vielerorts von Abbruch und Ersatzneubau geprägte Umgang mit Bestandsbauten kritisch hinterfragt. Grundlagen der Lebenszyklusanalyse, Methoden zur Emissionsberechnung sowie Möglichkeiten der Wiederverwendung und des Baustoff-Recyclings zeigen, wie sich Ressourcen schonen und Emissionen reduzieren lassen.

 

Digitales Erbe vorausdenken

Neben dem Umgang mit historischen Bauten fokussiert das Programm auf Strategien für jüngere und sehr junge Objekte – denn zur Erhaltung gehört stets auch die vorausschauende Auswahl zukünftiger Schutzobjekte. Im Kurs «Future Monuments» werden theoretische Positionen der Denkmalpflege im Licht aktueller und kommender Aufgaben untersucht und praxisnahe Lösungsansätze diskutiert. Besonderes Augenmerk gilt fortschrittlichen digitalen Entwurfswerkzeugen und Fertigungsverfahren: Materialien, massgeschneiderte Entwurfskonzepte und innovative Bauprozesse prägen den jüngsten Baubestand und stellen die Denkmalpflege vor Aufgaben, die von der Langzeitarchivierung digitaler Daten über die theoretische Einordnung digital‑nativer Entwürfe bis zur Reparierbarkeit digital fabrizierter Konstruktionen reichen. Für Fachleute ist es zentral, die Logik dieser Bauten zu verstehen, um die Konsequenzen für Langlebigkeit, Unterhalt und Wiederherstellbarkeit einzuschätzen. Im MAS werden daher Einblicke in aktuelle Design- und Konstruktionsprozesse sowie in Theorien des Digitalen in der Architektur vermittelt. Schliesslich werden anhand jüngst abgeschlossener Fallstudien Objekte als mögliche zukünftige Denkmäler kritisch bewertet.

Der viersemestrige Teilzeitstudiengang richtet sich an Architektinnen und Architekten sowie Fachleute, die in der Denkmalpflege und im Bauen im Bestand tätig sind oder werden wollen. Ein modularer Einstieg ist möglich. Das einsemestrige CAS in Preservation (Start im Herbstsemester) führt kompakt in historische, ökonomische, ökologische und rechtliche Aspekte ein und erlaubt den nahtlosen Übergang in das zweite Semester des MAS. Die nächste Runde des MAS startet im Herbstsemester 2026, der Abschluss erfolgt im Sommersemester 2028.

Informationsveranstaltung: 23. März 2026

Bewerbungsfrist: 31. Mai 2026

Weitere Informationen:
langenberg.arch.ethz.ch/mas-cas